Menschen . Verkehr . Umwelt . Planung

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Platooning: zu dichtes Auffahren ganz legal

Was in der Fahrschule als absolutes Tabu gilt, wird im Platooning angestrebt: mehrere Lastzüge fahren im geringstmöglichen Abstand von ca. 15 m hintereinander. Die Vorteile dieses Ansatzes liegen neben der besseren Ausnutzung des Verkehrsraums insbesondere in der Kraftstoffersparnis, die je nach Studie bis zu 10 % beträgt. Bei einem mittleren Durchschnittsverbrauch von ca. 35 l / 100 km lassen sich somit nennenswerte Mengen Treibstoff in ein Mehr an Reichweite umwandeln. Der physikalische Hintergrund ist die Strömungsoptimierung, die nicht nur durch die Reduzierung der Frontalfläche in Bezug zur Zuglänge erzielt wird, sondern auch am Pilotfahrzeug wirkt, da an dessen Heck weniger schädliche Verwirbelungen auftreten.

 

Die Entwicklung des Platoonings setzt dabei auf mehrere Strategien: Primär sollen die Fahrzeuge des Konvois untereinander vernetzt werden, sodass die Steuer- bzw. Fahrbefehle des Leitfahrzeugs ohne Zeitverluste an die nachfolgende LKW weitergereicht und umgesetzt werden können. Im Idealfall sind die ‚slaves‘ autonom unterwegs. Alternative Systeme nutzen die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die den Abstand zum Vordermann mithilfe von Radar / Lidar- Sensorik hält.

 

Dass das Potential dieses Ansatzes erkannt wurde und nutzbar gemacht werden kann und soll, zeigen Feldversuche mehrerer namhafter Nutzfahrzeughersteller national und international.

 

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – folgende Problemstellungen sind noch zu lösen:

  •  Die gesetzliche Grundlage für das Unterschreiten des Mindestabstandes fehlt derzeit.
  • Ein Standard für die Kommunikation herstellergemischter Fahrzeuge untereinander muss geschaffen werden.
  • Wie werden Fahrmanöver wie zum Beispiel das Überholen gehandhabt?
  • Wie wirkt sich die Kolonnenfahrt auf die Lenkzeiten der Fahrer in den ‚slave‘-Fahrzeugen aus?
  • Amortisieren sich die notwendigen Investitionen in die Fuhrparks?

 

Quelle des Textes: www.faz.net, www.heise.de

Quelle des Bildes: www.adobe.stock.com